Cannabis-Forschung

Synthetische Cannabinoide in legalen Cannabisprodukten gefunden

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Ein Produkt kann über eine seriös wirkende Website verkauft werden, in einer hochwertigen Verpackung ankommen und dennoch ein Cannabinoid‑Profil aufweisen, das kaum mit seiner Kennzeichnung übereinstimmt. Das ist die zentrale Warnung einer neuen italienischen Studie1, die 26 THC‑armen Cannabinoid‑Produkte untersuchte, die online erworben wurden.

Die Forschenden stellten fest, dass 24 der 26 Produkte, also 92,3 %, falsch oder unvollständig gekennzeichnet waren. Die Probleme gingen über geringe Abweichungen bei der angegebenen CBD‑ bzw. THC‑Stärke hinaus. Mehrere Produkte enthielten nicht deklarierte halbsynthetische Cannabinoide, während vier vollständig synthetische Cannabinoide enthielten. In drei Fällen entdeckten die Forschenden EDMB‑4en‑PINACA, eine relativ neue synthetische Verbindung, die auf keinem Produktetikett angegeben war.

Die Stichprobe war klein und auf Produkte beschränkt, die über italienische Websites erhältlich waren, sodass die Ergebnisse nicht belegen, dass 92,3 % aller europäischen Cannabinoid‑Produkte falsch gekennzeichnet sind. Sie zeigen jedoch eine regulatorische blinde Stelle mit Auswirkungen, die weit über Italien hinausgehen. Eine Kennzeichnung, die sich auf vertraute Begriffe wie CBD, Hanf oder niedriges THC stützt, kann die tatsächliche chemische Komplexität des Produkts möglicherweise nicht mehr adäquat beschreiben.

Studie findet weit verbreitete Fehlkennzeichnung in legalen Cannabisprodukten

Die Forschenden kauften zwischen September 2024 und Januar 2026 Cannabisblüten, Harze und Vape‑Flüssigkeiten. Diese Produkte wurden als THC‑arme oder anderweitig legale Cannabinoid‑Produkte für den italienischen Markt vermarktet.

Die Analysen kombinierten mehrere Verfahren. Gaschromatographie mit Flammenionisationsdetektion wurde zur Messung von CBD und Delta‑9‑THC eingesetzt. Gaschromatographie‑Massenspektrometrie wurde verwendet, um synthetische und halbsynthetische Cannabinoide nachzuweisen und deren Menge abzuschätzen. Die Forschenden nutzten zudem Ultra‑High‑Performance‑Liquid‑Chromatographie mit hochauflösendem Massenspektrometer, um einige Identifizierungen zu unterstützen oder zu bestätigen.

Dieser mehrmethodische Ansatz ist wichtig, weil kein einzelner Routine‑Test zwangsläufig alle neu auftretenden Cannabinoide erfasst. Eng verwandte Verbindungen können ähnliche Signale erzeugen, während niedrige Konzentrationen, Matrixeffekte, thermische Veränderungen und das Fehlen von Referenzstandards die Bestätigung erschweren können.

Studienergebnis Ergebnis
Analysierte Produkte 26
Gesamte Kennzeichnungen als falsch oder unvollständig eingestuft 24 Produkte (92,3 %)
Fehlkennzeichnung für synthetische oder halbsynthetische Cannabinoide 18 Produkte (69,2 %)
Fehlkennzeichnung von CBD 14 Produkte (53,9 %)
Fehlkennzeichnung von Delta‑9‑THC 13 Produkte (50,0 %)
Produkte, die vollständig synthetische Cannabinoide enthalten 4 Produkte (15,4 %)
Produkte, die H4CBD enthalten 6 Produkte (23,1 %)

Warum CBD‑ und THC‑Angaben nur einen Teil der Geschichte erzählen

Alle Proben enthielten CBD mit einer Median‑Konzentration von 7,7 %. Delta‑9‑THC wies eine Median‑Konzentration von 0,4 % auf, und zwei Produkte überschritten den in der Studie genannten italienischen Grenzwert von 0,6 %.

Der CBD‑Gehalt wurde bei 14 Produkten falsch angegeben. Sieben Produkte wiesen kein CBD aus, obwohl es nachgewiesen wurde, vier enthielten weniger CBD als angegeben, und drei enthielten mehr. Delta‑9‑THC wurde bei 13 Produkten falsch deklariert. Neun Produkte enthielten mehr als angegeben, zwei weniger und bei zwei wurde THC trotz Vorhandensein nicht angegeben.

Unterschiede in der Potenz sind wichtig, weil Dosiserwartungen das Konsumentenverhalten beeinflussen. Sie können zudem bestimmen, ob ein Produkt oberhalb oder unterhalb einer gesetzlichen Schwelle liegt. Ein Käufer könnte glauben, ein Produkt sei nicht berauschend oder entspreche den lokalen Vorschriften, während die gemessene Zusammensetzung etwas anderes nahelegt.

Doch das größere Problem ist, dass das traditionelle CBD‑gegen‑THC‑Modell veraltet. Hersteller können pflanzliche Cannabinoide chemisch zu neuen Substanzen umwandeln, während vollständig synthetische Cannabinoide auf Blüten aufgetragen oder in anderen Formulierungen eingesetzt werden können. Ein Produkt, das mit der Sprache von Hanf vermarktet wird, kann daher Moleküle enthalten, für die nur begrenzte Sicherheitsdaten für den Menschen vorliegen und deren Wirkung nicht aus der angegebenen CBD‑Konzentration abgeleitet werden kann.

Halbsynthetische Cannabinoide erschweren Produktsicherheit

Halbsynthetische Cannabinoide basieren in der Regel auf einem natürlich vorkommenden Cannabinoid wie CBD oder THC, das chemisch modifiziert wird. Vollständig synthetische Cannabinoide werden über andere chemische Wege hergestellt und können Strukturen sowie pharmakologische Eigenschaften aufweisen, die sich deutlich von pflanzlichen Cannabinoiden unterscheiden.

H4CBD war das am häufigsten nachgewiesene halbsynthetische Cannabinoid in der Studie und kam in sechs Produkten vor. Delta‑9‑THCP wurde in fünf, während Delta‑8‑THCP in vier Produkten gefunden wurde. Die Forschenden entdeckten zudem Verbindungen wie HHC, HHCP, HHCPM und oxygenierte Derivate.

Diese Ergebnisse bedeuten nicht, dass jede nachgewiesene Verbindung absichtlich hinzugefügt wurde. Bei der halbsynthetischen Herstellung können Reaktionsnebenprodukte entstehen, und Abbau‑ oder Lagerbedingungen können chemische Profile verändern. In einigen Produkten machte jedoch die relative Konzentration eine versehentliche Spurenkontamination zu einer weniger überzeugenden Erklärung.

Die Unterscheidung ist für Regulierungsbehörden und Labore wichtig. Eine Regel, die ein benanntes Molekül verbietet, kann von einem eng verwandten Ersatz überholt werden. Ein Testpanel, das auf den Cannabinoiden von gestern basiert, kann die Produkte von morgen übersehen. Der Markt kann sich schneller verändern als Referenzstandards, toxikologische Forschung und Gesetzgebung.

Was ein nützlicherer Produktstandard erfordern würde

Ein stärkeres System würde das vollständige Cannabinoid‑Profil bewerten, anstatt nur zu prüfen, ob Delta‑9‑THC unter einem einzigen Grenzwert liegt. Mindestens müsste dieses System:

  • Chargenbezogene Prüfung durch ein unabhängiges Labor
  • Offenlegung der nachgewiesenen berauschenden und modifizierten Cannabinoide
  • Methoden, die aktualisiert werden, sobald neue Substanzen den Markt erreichen
  • Rückverfolgbarkeit vom Rohmaterial bis zum Endprodukt

Ein Analysezertifikat ist nur dann nützlich, wenn die getestete Charge mit dem verkauften Produkt übereinstimmt, das Labor nach relevanten Verbindungen sucht und der Meldegrenzwert niedrig genug ist, um bedeutsame Kontaminationen zu erkennen. Ein sauberes Ergebnis eines engen Panels beweist nicht, dass ein aufkommendes Cannabinoid fehlt.

Nicht deklarierte synthetische Cannabinoide erhöhen das Risiko

Das besorgniserregendste Ergebnis war der Nachweis von vollständig synthetischen Cannabinoiden in vier Produkten. EDMB‑4en‑PINACA wurde in drei Blütenproben gefunden, mit einer geschätzten Median‑Menge von 1,93 % und einem Maximum von 4,45 %. MDMB‑4en‑PINACA wurde in einer Blütenprobe mit geschätzten 1,84 % nachgewiesen. Keine der Substanzen war deklariert.

Die Autoren identifizierten MDMB‑4en‑PINACA als potentes synthetisches Cannabinoid und warnten, dass EDMB‑4en‑PINACA gesundheitliche Risiken bergen könnte. Die Studie testete diese Produkte nicht an Menschen, ermittelte keine klinischen Ergebnisse und maß die Potenz nicht direkt für jede nachgewiesene Verbindung. Das Sicherheitssignal resultiert aus nicht offengelegter Exposition gegenüber pharmakologisch unsicheren Substanzen, nicht aus einer klinischen Studie, die eine bestimmte Schadensrate belegt.

Genau deshalb ist die Kennzeichnungsgenauigkeit mehr als ein Marketingthema. Verbraucher können keine fundierte Entscheidung treffen, wenn die Wirkstoffe nicht auf der Verpackung angegeben sind. Kliniker und Giftkontroll‑Spezialisten können ebenfalls Schwierigkeiten haben, Symptome zu interpretieren, wenn ein Patient glaubt, CBD verwendet zu haben, aber einer synthetischen Cannabinoid‑Exposition ausgesetzt war.

Es gibt auch eine rechtliche Dimension. Nicht deklarierter THC über einer gesetzlichen Grenze oder das Vorhandensein eines kontrollierten synthetischen Cannabinoids kann einen Verbraucher trotz scheinbar legalem Kauf Konsequenzen aussetzen. Die Grenze zwischen legal und illegal kann Käufer nicht zuverlässig schützen, wenn die Produktzusammensetzung unbekannt ist.

Warum Regulierungsbehörden Überwachung statt statischer Listen benötigen

Die Studie weist auf ein Regulierungsmodell hin, das eher einer Überwachung von Infektionskrankheiten ähnelt als einer konventionellen Produktregistrierung. Behörden benötigen kontinuierliche Marktprobenahmen, geteilte Spektralbibliotheken, schnelle Warnungen und eine Möglichkeit, Familien verwandter Verbindungen zu regulieren, wenn dies durch Evidenz gestützt wird.

Das bedeutet nicht, dass jedes minderwertige Cannabinoid automatisch verboten werden sollte. Es bedeutet, dass Regulierungsbehörden über ausreichende analytische Transparenz verfügen müssen, um natürlich vorkommende Bestandteile, Herstellungsnebenprodukte, bewusst hinzugefügte halbsynthetische Verbindungen und potente synthetische Rezeptor‑Agonisten zu unterscheiden. Ohne diese Transparenz regulieren Entscheidungsträger eher Kennzeichnungen als Produkte.

Hersteller haben ebenfalls einen Anreiz zur Verbesserung. Eine genaue, chargenbezogene Offenlegung würde legitimen Produzenten helfen, sich von Anbietern in regulatorischen Grauzonen abzuheben. Standardisierte Tests könnten zu einem Wettbewerbsvorteil werden, insbesondere da Verbraucher zunehmend erkennen, dass vertraute Hanf‑Terminologie keine vertraute Chemie garantiert.

Was die italienische Cannabis‑Studie beweist und nicht beweist

Die Ergebnisse sind überzeugend, doch ihre Grenzen sind wichtig. Es wurden nur 26 Produkte analysiert, der Einkauf beschränkte sich auf Websites, die Italien bedienen, und die Stichprobe sollte nicht alle legalen Cannabinoid‑Produkte repräsentieren. Vier Proben enthielten zudem nicht genug Material für hochauflösende Massenspektrometrie.

Die Konzentrationen für synthetische und halbsynthetische Cannabinoide waren semi‑quantitative Schätzungen. Die Forschenden gingen von weitgehend vergleichbaren Massenspektrometer‑Antworten zwischen CBD und den anderen Verbindungen aus, obwohl unterschiedliche Strukturen unterschiedliche Reaktionen hervorrufen können. Für einige aufkommende Substanzen fehlten zudem analytische Referenzstandards, was die Sicherheit dieser Identifizierungen mindert.

Diese Einschränkungen verhindern allgemeine Aussagen über Prävalenz oder genaue Exposition. Sie beseitigen nicht das nachgewiesene Kernproblem: Produkte, die offen als legal vermarktet wurden, enthielten unerwartet komplexe Mischungen, und fast alle wiesen mindestens einen Kennzeichnungsfehler nach den Kriterien der Studie auf.

Die praktische Lehre ist einfach. Legale Verfügbarkeit, Low‑THC‑Branding und professionelle Verpackung ersetzen nicht die verifizierte Zusammensetzung. Mit der Weiterentwicklung der Cannabinoid‑Chemie wird die Produktsicherheit zunehmend davon abhängen, ob Testsysteme das Vorhandene erkennen können, und nicht nur das bestätigen, was der Hersteller zu finden erwartete.

Referenzen:

1. Giorgetti, A., Caprari, C., Pelletti, G., Rossi, F., Pulver, B., Cannazza, G., Pascali, J. P., & Auwärter, V. (2026). Forensische Profilierung synthetischer und halbsynthetischer Cannabinoide in legalen Cannabisprodukten in Italien. Forensic Science International, 113114. https://doi.org/10.1016/j.forsciint.2026.113114

Patricia ist eine tanzbegeisterte, tierverrückte Person mit einer Leidenschaft dafür, das Wort über die erstaunlichen Vorteile von CBD zu verbreiten. Wenn sie nicht gerade zu ihren Lieblingstönen tanzt, kann man sie dabei finden, alle Möglichkeiten zu recherchieren, wie CBD unser Leben verbessern kann.