Gesundheit & Wellness
Dr. Peter Grinspoon über Cannabis bei chronischen Schmerzen und Opioidabhängigkeit

Die Beweise: Gemischt, aber vielversprechend
Jahrelang wurde eine 2014 durchgeführte “Überprüfung von Totenscheinen” weithin als Beweis dafür zitiert, dass die Zahl der opioidbedingten Todesfälle in Bundesstaaten mit legalen Cannabis-Programmen zurückging. Allerdings hat eine Nachfolgestudie das Bild komplizierter gemacht:
- 2017-Studie: Fand eine minimale Verringerung opioidbedingter Todesfälle in Bundesstaaten mit legalem Erwachsenenkonsum.
- 2020-Studie: Fand keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Legalisierung und verringerter Zahl von Todesfällen durch Überdosierung.
Trotz der gemischten Beweise glauben Experten, dass Cannabis mit den richtigen Richtlinien opioidbedingte Schäden sinnvoll verringern könnte.
Wer ist Dr. Peter Grinspoon?
Dr. Peter Grinspoon ist Dozent an der Harvard Medical School, Internist und medizinischer Cannabis-Arzt am Massachusetts General Hospital. Er ist auch ein national anerkannter Experte auf dem Gebiet von Cannabis und Sucht.
Er hat Free Refills verfasst, eine Autobiografie, in der er seine eigene Genesung von Opioidabhängigkeit schildert, und hat ein kommendes Buch mit dem Titel Seeing Through the Smoke. Dr. Grinspoon spricht häufig über Cannabis, Sucht und Harm-Reduction-Politik.
Im Gespräch mit Filter Magazine erklärte er:
„Die Menschen sprechen fast ausschließlich darüber, dass ihre Lebensqualität besser wird, wenn sie Cannabis anstelle von Opioiden verwenden.”
Dr. Grinspoons Empfehlungen für Cannabis bei chronischen Schmerzen
Basierend auf klinischer Praxis und Forschung schlägt Dr. Grinspoon vier Hauptstrategien vor, um Cannabis in die Schmerzbehandlung einzubeziehen:
- Patienten zunächst mit Cannabis behandeln, anstatt mit Opioiden oder NSAIDs, um die Risiken durch den langfristigen Gebrauch von herkömmlichen Medikamenten zu verringern.
- Chronische Schmerzpatienten allmählich und freiwillig von Opioiden auf Cannabis umstellen.
- Cannabis und Opioiden in einigen Fällen gemeinsam zur synergistischen Schmerzlinderung verwenden.
- Cannabis als Werkzeug verwenden, um die Opioidabhängigkeit selbst zu bewältigen.
Warum Cannabis sicherer sein könnte
Im Jahr 2020 wurden in den USA 91.799 opioidbedingte Todesfälle durch Überdosierung registriert. Opioiden können auch zu Komplikationen wie Knochenverdünnung, Abhängigkeit und Toleranz führen. Cannabis ist zwar nicht risikofrei, weist jedoch ein deutlich geringeres Gefährdungspotenzial auf:
- Keine Atemdepression: Im Gegensatz zu Opioiden unterdrückt Cannabis nicht die Atmung.
- Abhängigkeit ist milder: Während Cannabis zu Abhängigkeit führen kann, ist sie selten lebensbedrohlich.
- Schmerzlinderung überlappt: Sowohl Opioiden als auch Cannabis lindern Schmerzen, aber Cannabis bietet eine sicherere Langzeitoption für viele Patienten.
Für leichte bis mäßige Schmerzen könnte Cannabis eine sicherere Alternative sein, insbesondere in Langzeitversorgungsszenarien. Es ist jedoch wichtig, individuelle medizinische Anleitung einzuholen – Patienten sollten immer qualifizierte Gesundheitsfachleute konsultieren.












